Sleeping Beauty

Im Januar liegt der Garten im weißen Dornröschenschlaf. Niemand stört ihn, niemand besucht ihn.

Nur Vogel, Fuchs und Hase hinterlassen Tapser in der Winterpracht.

Seit mehreren Wochen nun waren wir nicht mehr draußen. Einer der Nachteile, wenn der Garten ein Stück Land, ein Wochenendgrundstück ist, das nicht vor der Haustür, sondern 12 km von Zuhause entfernt liegt.
Nur Anfang Januar, nach dem Sturmtief „Andrea“,  fuhr ich einmal nach der Arbeit um das Grundstück herum. Das Gewächshaus, noch immer nicht ganz fertiggestellt, stand noch, die Bäume auch, also kein Grund zur Sorge.

Seit Oktober ist der Garten winterfest – man kann nicht mehr machen als kurz vorbeischauen. Der Boden ist steinhart gefroren; welche von den Pflanzen diesen seltsamen Winter überlebt hat, da lassen wir uns wieder überraschen.

Gespannt bin ich dennoch, was sich wohl getan hat im Garten: haben die Rötelmäuse wieder Autobahnen angelegt? Hüpfen die Feldhasen vor den Gartentoren herum? Sind die Madonnenlilien, die ich 2011 in einem 2. Anlauf gepflanzt habe, noch am Leben? (die ersten wurden von ebenjenen Rötelmäusen vergraben…im wahrsten Sinne des Wortes) Ob der Rittersporn in seinen Kübeln überlebt hat? Oder die japanischen Ahörner? Der Feldsalat?

Die Stevia im Gewächshaus wird es wohl dahingerafft haben. Sie mag keine kalten Temperaturen. Dieses Jahr ziehe ich mir neue an im Topf, die werden dann im Treppenhaus überwintert.

Ein Garten ist „Learning by doing“ in Reinform. Da kann man noch so viel im Internet und in Gartenbüchern querlesen. Besonders ein Garten in Klimazone 6b, gelegen auf 550 Höhenmetern sorgt immer wieder für Überraschungen. Der Winter ist bei uns also auch eine spannende Zeit.

Als allererstes ist er jedoch eine Ruhepause. Seit November habe ich keinen Gedanken mehr an den Garten verschwendet – es ging sogar so weit, dass ich keine Lust mehr darauf hatte. Der Grund: Rötelmäuse hatten die spontante Idee, sich häuslich niederzulassen im Winterschutz meiner zwei „Heritage“. Ich bin eine Tierfreundin. Aber als ich die Gänge direkt unter den Wurzelballen, so kurz vor den ersten Frösten gesehen habe, war ich kurz davor, Mäusegift zu kaufen. Es blieb bei dem Gedanken. Würde man mir als Maus ein Bett vor die Nase setzen, ich würde im Winter ebenfalls hineinkriechen.
Stattdessen schüttete ich die Gänge immer wieder zu, und irgendwann waren sie nicht mehr aufgegraben.

Dieses Jahr wird sich also rausstellen, ob die Austin-Rosen noch leben. Eine weitere große Überraschung, die der Garten bereithalten wird, wenn er aus dem Dornröschenschlaf erwacht.

Und inzwischen, man stelle sich vor, juckt es mir dann doch auch in den Fingern, endlich wieder in der Erde buddeln zu können.

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Ein Kommentar zu “Sleeping Beauty

  1. Hallo!
    Auch wir waren schon lange nicht mehr im Garten. Der letzte Besuch fand Anfang November statt. Unser Garten ist auch etwas weiter weg von unserem Wohnort, es sind 80 km. Aber in der ersten Februarwoche ist ein Kontrollbesuch geplant, um zu sehen, was sich tut. Schnee liegt hier nicht und bei den derzeitigen Morgentemperaturen von -10° habe ich Angst um die langen Triebe der Ramblerrosen.
    Was alles überlebt hat, wird sich wohl erst etwas später im Jahr zeigen. Auch wenn es – wie dir – schon ordentlich in den Fingern juckt, muss der Startschuss in die neue Saison wohl noch warten.

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