Heute war ich gemein zu einer Raupe

Es gibt ja diese Raupen, die so tun, als seien sie Äste. Sie sind braun oder grün und sitzen unbeweglich auf Stämmen, Stengeln und Ästen. Eine dunkelrotbraune hatte ich mal letzten Winter auf einem Fächerahorn gefunden. Hätte ich sie nicht zufällig berührt, hätte ich sie nie und nimmer als solche erkannt. Da der Ahorn sowieso bereits blattlos war, beließ ich sie dort. Irgendwann muss sie sich dann ein Vogel geholt haben, denn sie war nicht mehr da.

Die Raupe, die ich heute fand, hat sich nicht ganz so gut getarnt. Zwar war auch sie so grün wie ihr Vorbild, an das sie sich krallte. Aber sie hatte zwei ganz entschiedene Nachteile, die sie verrieten:
erstens stand sie nicht ab wie ein Ast sondern bildete einen vollkommen unnatürlichen Bogen, und zweitens war sie nicht annähernd so stachelig und dürr wie die Pflanze, sondern dick und prall und rund.
Und wenn man seine grünen Pfleglinge regelmäßig inspiziert und es sich dabei noch um frisch gepflanzte Rosen handelt, entdeckt man solche Besucher recht schnell.

Normalerweise habe ich nichts gegen Raupen. Vor kurzem habe ich eine im Borretsch gefunden und ich fand heraus, dass es sich dabei um die hübsche Raupe der Ampfer-Rindeneule handelte. Sie durfte dort bleiben.
Aber wenn eine Spannerraupe meint, sie müsse sich in meiner Rose de Resht niederlassen, hat sie leider Pech gehabt. Baum, Löwenzahn, Strauch – wäre mir alles egal gewesen. Aber nicht in den Rosen!

Nachdem die ja eigentlich vollkommen unschuldige Raupe von mir entdeckt wurde, habe ich sie auf vollkommen natürliche Art und Weise „rausgeschmissen“. Einfach zwei starke Stöckchen nehmen, sie wie Eßstäbchen beim Chinesen halten und die überraschend kräftige Raupe abzupfeln. Mensch, die hat sich heftig gewehrt, nachdem sie gemerkt hat, dass ihre Tarnung aufgeflogen ist. Sie wand sich wie ein Regenwurm und biss sogar in das Stöckchen. Zudem klammerte sie sich mit ihren beiden untersten Füßchen hartnäckig fest.

Irgendwann habe ich sie dann doch lösen können. Ein ganz schöner Brocken war sie, mehrere Zentimeter lang und propedick. Ein Leckerbissen – für die Meisen. Ich platzierte sie auf das Vogelfutterbrett; lustigerweise machte die Raupe einen seltsam beleidigten Gesichtsausdruck, wie sie dort auf dem wortwörtlichen Präsentierteller lag. Es dauerte keine zwei Minuten, dann hat sich eine Kohlmeise ihr proteinreiches Abendessen gesichert.

Ja, auch naturnahe Gärtner können gemein sein.

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2 Kommentare zu “Heute war ich gemein zu einer Raupe

  1. Das war aber wirklich fies. Mir sind Raupen meistens auch egal, aber heuer hatte ich eine Plage von Blattwespenlarven an meinen Paprika und die mussten auch sterben.

    lg kathrin

    • Ja, so leid es mir tut um die Tiere, manchmal muss man seine grünen Pfleglinge schützen. Beruhigend: es war eine „Allerweltsart“ – hätte es sich um eine Seltenheit gehandelt, hätte ich das natürlich nicht getan. Die nächsten Raupen werde ich vermutlich dann einfach in die Hecken schmeißen, dann haben sie wenigstens noch eine Chance 😉

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