Archiv | April 2012

“Im Garten wächst mehr, als man ausgesät hat.”

Im Garten wächst mehr, als man ausgesät hat.

Das besagt ein Sprichwort aus England. Wie wahr.
Heute habe ich gefühlte 1000 Sämlinge von UVOs (Undefinierbaren Versamten Objekten) aus der Vogelwiese gezupft. Die Mutterpflanze war letztes Jahr schon unansehnlich genug, nun hat sie sich auch noch in Massen verbreitet. Und ich weiß nicht mal, was es war. Es kam wohl aus dem Vogelfutter, sah aus wie eine riesige Taubnessel mit winzigen rosa Lippenblüten, nur waren die Blätter viel länger und spitzer und maigrün.
Eigentlich wollte ich einen der Sämlinge fotografieren und bestimmen lassen. Aber das habe ich mal wieder vergessen (typisch ich). Bin mir aber sicher, dass irgendwo im Gras nochmal so ein UVO hochwächst..

Die Wettergötter meinten es heute also wieder so gut mit einem, dass man gar nicht anders konnte als raus in den Garten zu fahren.
Nun sitze ich hier am Laptop, und kann nur noch die Finger bewegen. Fast 9 Stunden lang währte der bisher längste Gartenbesuch in diesem Jahr. ENDLICH wieder am zukünftigen Rosenbeet weitergraben. Autsch. Ich frage mich, wie ich vergessen konnte, dass das Umgraben eine Mordsarbeit ist. Und was tun mit den MASSEN an Rasensoden, die sich vor einem auftürmen?! Mir schmerzen die Schultern, die Ellbogen, die Handgelenke – hey, es gibt die sogenannte Maushand und den Tennisarm, wer erfindet denn mal endlich die (ebenso schmerzende) Gärtnerelle? ;-)

Leider wurde ich nicht soweit fertig, dass ich auf das neue Beet die vorübergehende Wiesenblumenmischung ausbringen konnte. Zuviele Rasensoden blieben übrig, dann kam noch der Regen dazu. Schmerzende Gärtnerellen nicht zu vergessen ;-)
Zudem kam ich noch auf die Idee, im Acker nebenan große Feldsteine einzusammeln, um damit irgendwann einen Steinhaufen für Eidechsen und Insekten zu bauen. Nunja, die Bewegung war wenigstens eine andere als Lehmboden mit Grabegabeln abzustechen und auszuheben.

Ich kam, sah und war letzten Endes doch ein wenig traurig

Überraschenderweise entschloss sich der April gestern, pünktlich zum Feierabend spontan der Sonne die Bühne freizumachen. So konnte meinereiner dann doch noch nach Feierabend für zwei Stunden in den Garten abtauchen.
Dort freute ich mich über die Bienen, beobachtete die Vögel beim Baden im Gegenlicht, goss die Kräuter im Gewächshaus, kroch über die Beete und suchte nach austreibenden Kosmeen-Samen, schnitt noch die ein oder andere Rose herunter, sammelte Futter für meine Hasen ein, bestaunte die weißen Prachtwolken am azurblauen Himmel… und trug den großen Schmetterlingsflieder, der letztes Jahr so wunderschön üppig geblüht hat, zu Grabe :cry:
So ist eben die Natur. Ein Kommen und Gehen.

Inventur im Hofstaat

So langsam erwacht der Garten und die Natur auf der Schwäbischen Alb. Bei uns hier oben ist alles immer etwas behäbiger, etwas langsamer. Manche Dinge brauchen seine Zeit. Und auch, wenn die Goldammern und Zilpzalps schon kräftig singen und die Rotkehlchen durch das Gebüsch streifen – Busch und Baum, Blume und Gras blinzeln noch etwas verschlafen in den Himmel.

Die Forsythien-Blüte hat ihren Höhepunkt erreicht. Ich gehe Rosen schneiden und “Inventur” machen. Wer hat den Frost überlebt, der hier nach einem unerwartet milden Winter doch noch eiskalt zugebissen hat?

Drei Rosen hat es gekillt: eine Mini und zwei No-Name, die schon im Garten waren, als wir ihn übernommen haben.
Aufatmen ist also angesagt. Die Mehrzahl der Königinnen sieht zwar etwas angeschlagen aus, doch tapfer und kämpferisch, wie sie sind, treiben sie aus der Basis neu aus.

Ich nehme mir vor, dem Hofstaat eine Burg zu bauen. Eine kleine Hecke soll es geben, vermutlich aus Eibe, die wenigstens die schlimmsten Westwinde abfängt. Zwar ist unser Grundstück von allen Seiten hermetisch abgeriegelt mit einer sehr dichten, 1,70 m hohen Thuja-Hecke. Dennoch: exponierte Rosen hat der Wind gnadenlos bis auf den Boden abfrieren lassen, “Rosenfee” und “Heritage”.
Ich nehme mir ein Beispiel an “Winchester Cathedral”: Sie ist quasi eingemummt mit Lavendel zu ihrem Füßen. Der sieht zwar auch sehr mitgenommen aus. Doch er hat die weiße Austin-Rose vor dem schlimmsten bewahrt. Von allen Rosen treibt sie trotz erfrorener Spitzen am freudigsten aus. Mal sehen, ob so eine kleine immergrüne Burgmauer wenigstens meine heißgeliebte “Heritage” im nächsten Winter vor den unerbittlichen Hammerschlägen des Winters bewahren kann.

Weiter geht’s zu unseren Neuen, gepflanzt im Juli 2011. “Novalis” von Kordes, vier starke stämmige Pflanzen, beim Züchter direkt gekauft im Urlaub und 700 km weit auf dem Rücksitz in den Süden gekarrt. Wie haben sie den harten Ostalb-Winter weggesteckt? Sehr gut, antworten mir die Königinnen. Die Spitzen etwas erfroren, doch schon wedeln sie lustig mit kleinen roten Blättern. Die sind aber schnell. Ich freue mich schon auf die Blüten.

Wer steht da hinten ganz in Grün? Keine Schäden, keine Erfrierungen, der Austrieb noch etwas zurückhaltend, aber sie muss sich ja auch erst einleben: Rose de Resht macht die beste Figur von allen. Auf die Alten Rosen ist Verlass, habe ich schon oft gehört und gelesen. Meine Rosenliste besteht fast nur noch aus den alten Sorten, ganz oben rangiert “Ispahan”, die versuche ich dieses Jahr zu beschaffen. Kommt Zeit, kommt Rose – und Garten. Es gibt hier noch viel zu tun, bis aus der grünen Wiese ein kleines irdischen Paradies wird.